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Der lebhafte, heitere Geist, die effectuirende Instrumentation,
und die Beweise von Kunsterfahrung überhaupt...
Zur Wieder-Uraufführung des Klarinettenkonzerts B-Dur op. 40 von Johann Wilhelm Wilms

Nicola Jürgensen,
Klarinette

Die Liste verschollener Wilms-Kompositionen ist lang. Sie umfasst eine ganze Reihe von Solokonzerten und nicht weniges an Musik für Kammerensembles – alles ungedruckt und daher schon per se in seinem Fortbestand besonders gefährdet.
Doch auch ein zu Lebzeiten des Komponisten von einem führenden Verleger Europas,
der Firma Breitkopf & Härtel in Leipzig, gedrucktes und seiner Zeit ziemlich verbreitetes Werk
hat sich nach dem II. Weltkrieg nicht mehr nachweisen lassen:
Das Klarinettenkonzert B-Dur op. 40.
Alles Suchen blieb vergeblich, bis es vor wenigen Jahren dem großen Klarinettisten und
außerordentlichen Entdecker verborgener musikalische Schätze, dem verehrten Dieter Klöcker, gelungen ist, im Archiv des alten Prager Konservatoriums das komplette Stimmenmaterial des Werks ausfindig zu machen.
Schnell war die Idee einer ausschließlich Wilms und der Klarinette gewidmeten CD geboren.
Klöcker, bekennender Wilmsfreund und Mitglied der IJWWG, entschied sich für ein Programm,
das neben dem Klarinettenkonzert zwei Concertante mit Klarinette und weiteren Soloinstrumenten
(Violine, Violoncello, Flöte und Fagott), sowie eine klarinetteninspirierte Orchesterouvertüre umfasste.
Der Kampf um die Realisierung dieses ambitionierten, allein wegen seiner fünf Solisten schon recht kostspieligen Projekts erstreckte sich über Jahre.
Als nach vielen Niederlagen und Neuanfängen alle finanziellen und organisatorischen Barrikaden aus dem Weg geräumt schienen, erkrankte Dieter Klöcker schwer und erlag am 21. Mai 2011 seinem Leiden.
Mit der geplanten CD hätte er seiner Liebe zu Wilms und Wilmsens Liebe zur Klarinette ein lebendig bleibendes Denkmal gesetzt.
Niemand in Sicht, verständlicherweise, das Erbe des Sisyphos anzutreten.
So dürfen wir dankbar sein und froh, dass sich nun die wunderbare Nicola Jürgensen und das WDR Sinfonieorchester des Herzstücks dieser geplanten Großtat angenommen haben und die Wieder-
Uraufführung des wilmsschen Klarinettenkonzerts ins Zentrum eines Konzertabends rücken, an dem auch die Sinfonie Nr. 3 c-Moll op. 19, das symphonische Chef d’oeuvre des langjährigen Wilms-Weggefährten Carolus Antonius Fodor erklingen wird.
Zur Wieder-Uraufführung des Wilms-Konzerts erschien auf Veranlassung der IJWWG ein modernes Aufführungsmaterial (Ries & Erler, Berlin, 2011) .
Dessen Herausgeber, der Musikwissenschaftler Bert Hagels, gestattete uns freundlicherweise den Abdruck der folgenden Passagen aus seinem Vorwort zur Partitur.

Wann Wilms das Konzert komponierte, ist gänzlich unbekannt.
Als terminus ante quem der Entstehung lässt sich lediglich das Frühjahr 1815 bestimmen,
weil Breitkopf & Härtel zu dieser Zeit das Erscheinen des Stimmdrucks anzuzeigen begann.
Ob der Stimmdruck allerdings zu diesem Zeitpunkt bereits auch tatsächlich erschien,
ist fraglich; denn in dem gedruckten Verzeichnis der für den Musikalienhandel wichtigen Leipziger Buchmesse wird er erst für die Ostermesse 1816 angekündigt.
Eine kurze Rezension des Stimmdrucks erschien im Juni 1816 in der ebenfalls bei Breitkopf & Härtel erscheinenden Allgemeinen musikalischen Zeitung:
„Der lebhafte, heitere Geist, die effectuirende Instrumentation, und die Beweise von Kunsterfahrung überhaupt, die andere Werke dieses fleissigen Componisten auszeichnen,
zeichnen auch dies Concert aus.
Es besteht aus kurzer, ernster Einleitung und Allegro,
beyde aus B dur, C-Takt, das den Concertspieler reichlich,
doch nicht mit grossen Schwierigkeiten beschäftigt; einem Adagio, aus Es dur, Zweyvierteltakt,
das ihm Gelegenheit giebt das Anmuthige seines Instruments vortheilhaft hervortreten zu lassen,
und einer Polonoise, aus B dur, die für ihm mehres Brillante enthält,
doch in den Motiven zum Theil mehr Eigenthümliches haben könnte.
Das Orchester ist besetzt mit dem Quartett, einer Flöte, zwey Hoboen, zwey Fagotten, zwey Hörnern, Trompeten und Pauken. Die Begleitung ist nicht schwierig.“
Bereits am 12. Februar 1816 war in Amsterdam ein Klarinettenkonzert von Wilms erklungen;
die zeitliche Nähe zum Erscheinen des Drucks und die Tatsache, dass es keine Belege dafür gibt, dass Wilms weitere Klarinettenkonzerte komponiert hat, lassen vermuten,
dass es sich um das vorliegende Konzert handelt. Solist war der erste Klarinettist des Orchesters von Felix Meritis, Philippus Xaverius Christiani (1787-1867).
Der Amsterdamer Korrespondent der Allgemeinen musikalischen Zeitung
(wahrscheinlich Wilms selbst), berichtet knapp:
„Hr. Christiani gab am 12ten Febr. Concert. Er blies ein Concert für die Klarinette von Wilms,
doch etwas zu langsam, wodurch das Stück schleppend wurde [...].“
In der nächsten Saison (1816/17) erklang Wilms’ Konzert erneut in Amsterdam;
diesmal war der Solist Jakob Christoffel Kleine (1785-1832).
In der nächsten Saison erklang das Werk auch in Den Haag.
Das Werk hat offenbar auch Verwendung als Lehrmaterial an Konservatorien gefunden.
Für Prag z.B. ist belegt, dass das erste Allegro des Konzerts zweimal, am 27. Februar 1818 durch Franz Zelenka, und am 16. März 1821 durch Franz Paur, in den Konzerten der Zöglinge des Prager Konservatoriums der Öffentlichkeit präsentiert wurde.

www.svimhoff.de/html/juergensen.html

www.reinhardgoebel.com

 
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Ort:

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Musik:
Freitag, 10. Februar 2012, 20.00 Uhr
Köln, Funkhaus Wallrafplatz

WDR Sinfonieorchester Köln
Nicola Jürgensen, Klarinette
Reinhard Goebel, Leitung

Johann Wilhelms Wilms,
Konzert B-Dur für Klarinette und Orchester op. 40
Wieder-Uraufführung des lange verschollen geglaubten Konzerts


Weitere Werke von Carl Stamitz (Ouverture du Bal donné au Grand Duc de Russie à la Haye) und Antoine Fodor (Sinfonie Nr. 3 c-Moll op. 19)