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Sechstes Tauftagskonzert für Johann Wilhelm Wilms
Mozarten im Herzen
Kolja Lessing, Violine & Markus Tomas, Klavier spielen
Wilms, Mozart & Enescu
Im sechsten Tauftagskonzert erklingen von Wilms jene beiden Violinsonaten,
deren faszinierender Mozartnähe schon Zeitgenossen sich nicht entziehen konnten.

Die Sonate opus 11 in E-Dur gehört darüber hinaus zu den Werken, mit deren Herausgabe der Leipziger Verleger Ambrosius Kühnel in den Jahren 1806 und 1807 Wilms’ Einzug in die Konzertsäle und Musikzimmer des deutschsprachigen Raums ermöglicht hatte.

„Hr. Wilms zu Amsterdam“, so stand am 26. Juni 1807 in der Leipziger Zeitschrift für die elegante Welt zu lesen, „hat sich unter andern schon durch trefliche Komposizionen für das große Orchester sehr vortheilhaft bekannt gemacht.
Diese Sonate bestätigt seinen Ruf. Sie vereinigt das Gefällige mit dem Interessanten und Gehaltvollen; Neuheit und Anmuth der Melodie mit schöner Modulazion und gewählter Harmonie.
Sie wetteifert in ihrem glänzenden Styl mit den vorzüglichsten Mozartischen Sonaten dieser Art.“

Fünf Jahre später, am 29. September 1813, finden sich in einer Eloge der Leipziger Allgemeine musikalische Zeitung auf die gerade im Bonner Verlagshaus Simrock erschienene Sonate B-Dur op. 29 folgende Überlegungen: „Mozarts Klaviersonaten mit Begleitung der Violine (auch die spätern) sind zwar unter den modernsten Pianofortespielern schon seit einiger Zeit nicht mehr du jour, denn sie sind den Kraftmännern zu leicht, zu populär; aber im Vertrauen auf die gute Sache will man hoffen, dass sie doch durchgängig gekannt, und gewiss auch vielen Personen, denen man deshalb wol nicht eben allen Geschmack absprechen darf, noch sehr, sehr werth sind.
Für diese letztern nun hat Hr. Wilms, dem es mehr um den Geist, als um die Finger seines Publicums zu thun zu seyn scheint, die gegenwärtige Sonate recht eigentlich geschrieben.
Mag er nun Mozarten dabey im Auge gehabt haben oder nicht: im Herzen war er ihm ganz gewiss! denn in diesem Werke hat er ihn vollkommen erreicht, und jenes achtungswürdige Sonaten-Geschlecht mit einem ebenbürtigen Gliede vermehrt.“

Doch Mozart lässt sich in unserem Konzert nicht nur als Idee im Werk seines Bewunderers erspüren, er ist als Bezugspunkt zwischen den Wilmsen auch sehr direkt präsent: mit seiner formal recht ungebärdigen, ganz unklassizistisch proportionierten Sonate in G-Dur KV 379 (373a) aus dem Jahre 1781, einer von drei Auftragsarbeiten, die Mozart in Windeseile für ein Konzert in der Wiener Residenz seines verhassten Salzburger Arbeitgebers auszuführen hatte.
Bei der für ihn und den Geiger Brunetti geforderten Violinsonate sah Mozart sich daher veranlasst, von komplizierteren kompositorischen Verfahren nur in gut überschaubarem Maße Gebrauch zu machen und den Part des Klaviers, dem er des öfteren ganze Abschnitte allein überließ, gar nicht erst niederzuschreiben. In einem Brief an seinen trés cher Pére! gibt er davon folgenden Bericht: “heute hatten wir – denn ich schreibe um 11 uhr Nachts – accademie. da wurden 3 stücke von mir gemacht. versteht sich, Neue; - ein Rondeau zu einen Concert für Brunetti – eine Sonata mit accompagnement einer Violin, für mich. – welche ich gestern Nachts von 11 uhr bis 12 Componirt habe – aber, damit ich fertig geworden bin, nur die accompagnementstimm für Brunetti geschrieben habe, ich aber meine Parthie im kopf behalten habe – und dann, ein Rondeau für Ceccarelli – welches er hat Repetiren müssen.“

Mozart hat also bei der Uraufführung nicht improvisiert, er erfand nicht eine zur Violinstimme passende Klavierbegleitung aus dem Stegreif, sondern spielte ohne Noten einen Klavierpart, der im Kopf bereits als Ganzes vorhanden, aber noch nicht zu Papier gebracht war.
Was Mozart bald darauf, komplettiert und für den Druck überarbeitet, seinem Verleger in Wien zur Veröffentlichung übergeben hat, beeindruckt mit seiner kontrastreichen Gedankenfülle und durch seine unorthodoxe Form uns Heutige wie damals die Zeitgenossen als „Spuren des musicalischen Genies “.

„Er spielte, als ob er improvisierte, mit jener raschen Konzentration, jener Fähigkeit die Töne hervorzubringen, als ob sie gerade erst aus dem namenlosen Nichts entstanden seien, wie Worte, die sich in ihrer Bedeutsamkeit dem Geist unmittelbar erschließen.“
Die Rede ist jetzt nicht von Mozart, Yehudi Menuhin charakterisiert so das Spiel seines Lehrers Georges Enescu.
Er war einer der größten Geiger in der ersten Hälfte des XX. Jahrhunderts und ein bedeutender, wenngleich auch heute noch in seinem Rang nicht wirklich erkannter Komponist. Enescus Einzigartigkeit als Musiker und Mensch, von berühmten Kollegen übereinstimmend hervorgehoben, entlockte dem legendären Pablo Casals das Urteil, er sei das größte musikalische Phänomen seit Mozart.

Unvergleichlich erschien den Zeitgenossen Enescus Verständnis für Musik, seine Fähigkeit, den „Sinn“, die „Bedeutung“ einer Komposition in allen Einzelheiten zu erfassen, und das „Verstandene“ dank seines einzigartigen Gedächtnisses auch, jederzeit abrufbar, zu speichern.
Diese phantastische Begabung, sich musikalische Abläufe nicht nur in der Sukzession vergegenwärtigen, sondern über sie als gleichzeitiges Ganzes verfügen zu können, setzte auch den Komponisten Enescu instand, während jeder Phase des Arbeitsprozesses innerhalb eines entstehenden Werkes hin und her zu springen und somit ein feines Netz thematisch-motivischer Bezüge zwischen den unterschiedlichsten Teilen einer Komposition zu entwickeln –
wie dies in einem seiner kammermusikalischen Meisterwerke, den Impressions d'Enfance / Eindrücke aus der Kindheit (1940) für Violine und Klavier auf geheimnisvoll fesselnde Weise geschehen ist.

Hinzukommt, dass die bewunderte Sprachhaftigkeit seines Geigespiels, die Fähigkeit Stimmungen, Räume, Situationen mit wenigen Tönen seines Instruments zu evozieren, inzwischen auch dem Komponisten Enescu zu Gebote stand.
So wird ein Werk, das rein äußerlich zunächst als Suite musikalischer Genrebildchen erscheinen mag, sich beim Hören als vielschichtiges musikalisches Poem von allerhöchstem Rang erweisen.

Termin:

Ort:

Preise:

Karten:


Künstler:



Musik:




gefördert durch:
Sonntag, 30. März 2008, 17 Uhr

Evangelische Kirche Witzhelden

10 €, ermäßigt 5 €. Kinder und Musikschüler frei

unter 02 21 / 9 42 04 30 und an der Abendkasse


>> Kolja Lessing
>> Markus Tomas


J.W. Wilms, Violinsonaten B-Dur op.29 und E-Dur op.11
W.A. Mozart, Sonate G-Dur KV 379 (373a)
G. Enescu, Impressions d'Enfance für Violine und Klavier op. 28




>> Programmheft (1,4 MB)
  >> Routenplaner
Rezensionen

Großartige Leidenschaft

Johann W. Wilms und George Enescu mussten sich die Aufmerksamkeit der Konzertbesucher in Witzhelden teilen.

Vor 236 Jahren, genau am 30. März, wurde Johann Wilhelm Wilms in Witzhelden geboren - und getauft. Willkommener Anlass, seines Rvres zu gedenken im mittlerweile sechsten „Tauftagskonzert“ in der evangelischen Kirche seines Geburtsortes. Als Initiator der Veranstaltung zeichneten wieder die Internationale J. W. Wilms Gesellschaft und ihr rühriger Vorsitzender Ernst Klusen verantwortlich.

In kleiner, aber feiner Besetzung wurde mit Wilms und Mozart an die Wiener Klassik erinnert, aber auch eine Lanze für George Enescu (1881 geboren, 1955 gestorben) gebrochen - musikalisch wie rhetorisch. Zwei Professoren, beide aktiv als Solisten und Kammermusiker, bewiesen sich glänzend an den unterschiedlichen Kompositionen: Kolja Lessing als Geiger und Markus Tomas am Flügel.

Das eigenwillige Motto „Mozarten im Herzen, Wilms im Sinn“ fand im ersten Programmteil seine Entsprechung. Zwei Violinsonaten des Witzheldeners rahmten eine Sonate des Salzburgers. Während sich Wilms in seiner B-Dur Sonate in melodischen Gefälligkeiten erging, die er durch einen rauschenden Klavierpart aufzubessern versuchte, ging Mozart mit dem KV 373a in jeder Beziehung andere Wege. Nicht allein die originelle Struktur, auch Themen und Verarbeitung, die faire Ausgewogenheit der spielerischen Anteile ließen vergnügt durchatmen und stellten die künstlerische Ordnung wieder her, bis dann die große Überraschung kam: Wilms E-Dur Sonate.
Ein überaus ansprechender, farbiger Dreiteiler mit einem schwungvollen, klar gegliederten Allegro, einem sehr liedhaften Adagio und einem neckischen Rondo von klassischer Lustigkeit.

Die Qualität der Interpretation schien sich von Werk zu Werk zu steigern, als ob sich zu dem ohnedies vorhandenen Können noch die zunehmende Identifikation mit den Stücken addierte. Beides erreichte im zweiten Teil des Konzerts einen unbestrittenen Höhepunkt. Klusen hatte sich dazu vorgenommen, den Rumänen George Enescu - Wunderkind, Instrumentalist, Komponist, Dirigent - der Wilms-Gemeinde zu präsentieren.

Nach einem Vortrag, dessen (Über-)Länge von der notwendigen Erholungspause für Lessing und Tomas bestimmt war, gaben die beiden Enescus "Eindrücke aus der Kindheit" wieder. Mit großartiger Leidenschaft und bestürzender Intensität. Jedoch: der Programminhalt des Tauftagskonzerts hätte es durchaus erlaubt, auf zwei Abende verteilt zu werden. (Klaus Winterberg)

Quelle: Kölner Stadt-Anzeiger, 31.03.2008
Ein universeller Komponist

Johann Wilhelm Wilms hätte wohl verwundert auf die Menschenmenge geschaut, die sich anlässlich der 236. Wiederkehr seines Tauftages in der kleinen Witzheldener Kirche eingefunden hatte. Nun schon zum 6. Mal wurde an diesem Tag mit einem Konzert des „Bergischen Beethovens“ gedacht. Mit Kolja Lessing, Violine, und Markus Tomas, Klavier, hatte der Veranstalter zwei Musiker verpflichtet, die sich durch europaweite Konzert- und Aufnahmetätigkeiten einen hervorragenden Namen geschaffen haben. Das Duo brachte zu Beginn die Sonate opus 29 in B-Dur. Sie erwies sich als ein heiter verspieltes Werk, in dem der Pianist mit Kaskaden perlender Läufe glänzen konnte, während der Geiger ruhige Kantilenen beisteuerte. Viel temperamentvoller ging es in der früher entstandenen E-Dur Sonate zu. Vom packenden Allegro bis zum kecken Schlussrondo gelang hier eine Interpretation, welche zu Recht stürmischen Applaus erntete. Das Adagio steht am Anfang, statt eines Rondos ein Variationssatz: Mozarts G-Dur Sonate ist quasi gegen den Strich gebürstet. Kolja Lessing und Markus Tomas brachten sie virtuos und mit großer Spielfreude. Dr. Ernst Klusen, Vorsitzender der Internationalen Wilms-Gesellschaft, führte so klug wie präzise in das letzte Werk des Abends ein. Georges Enescu, einer der größten Geiger seiner Zeit und dazu ein Komponist von Rang, schuf gegen Ende seines Lebens 10 Episoden „Eindrücke aus der Kindheit“. Man sieht einen Bettler, hört Vögel und Grillen und erlebt am Ende einen herrlichen Sonnenaufgang mit einem winzigen Fragezeichen - wie lange noch? Kolja Lessing, am Flügel bestens unterstützt, zeigte noch einmal seine ganze Ausdruckskraft. (KG )

Quelle: Solinger Tageblatt, 01.04.2008
6. Tauftagskonzert für Wilms mit Besucherrekord

Das Motto lautete "Mozarten im Herzen"

Das sechste Tauftagskonzert für Johann Wilhelm Wilms in der Evangelischen Kirche Witzhelden sorgte mit Sonaten von Johann Wilhelm Wilms (1772 bis 1847), Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791) und Georges Enescu (1881 bis 1955) für musikalischen Hochgenuss, der bis in die Herzen der Konzertbesucher drang.
Unter dem Motto "Mozarten im Herzen" lud die Internationale Johann Wilhelm Wilms Gesellschaft wieder einmal zu einem Ausnahme-Konzert ein, das wie Balsam für die Seele wirkte.
Denn sowohl Mozart als auch Wilms komponierten eingängige Musik, die haften bleibt und noch lange nachwirkt. Vorgetragen wurden die Werke von Kolja Lessing auf der Violine und Markus Thomas am Klavier. Lessing ist als Geiger, Pianist, Komponist und Forscher einer der vielseitigsten Musiker unserer Zeit. Ihm gelangen bedeutende Wiederentdeckungen vergessener Werke vom Barock bis zur Moderne, die in international ausgezeichneten CD-Produktionen dokumentiert sind. Thomas ist Preisträger mehrerer nationaler und internationaler Wettbewerbe.
Außerdem brillierte er bei zahlreichen Engagements im In- und Ausland und arbeitete mit namhaften Orchestern und Dirigenten zusammen. Beide sind Professor an Musikhochschulen.
Die Mitglieder der Wilms-Gesellschaft freuten sich über einen Besucherrekord. "Jedes Jahr haben wir mehr Konzertbesucher. Wir haben mit 50 angefangen, hatten im vergangenen Jahr 150 Besucher und konnten heute noch mal steigern", freut sich der Vorsitzende Dr. Ernst Klusen.
Die Gesellschaft verfolgt das Ziel, die Musik des Witzheldener Komponisten sowohl national als auch international bekannter zu machen. Mit dem bisherigen Erfolg ist Klusen sehr zufrieden.
"Mit der ersten Wilms-CD mit der 6. und 7. Sinfonie kam auch der Durchbruch.
Diese CD hat Langzeitwirkung. Sie hat sämtliche Musikpreise abgeräumt.
Das hat die ganze Entwicklung enorm angekurbelt". In diesem sowie im nächsten Jahr sollen Aufnahmen mit weiteren Neuerscheinungen folgen. "Es ist einiges geplant!", so Klusen.
Unterstützt wurde die Veranstaltung neben der Wilms Gesellschaft von dem städtischen Kulturamt und dem Verkehrs- und Verschönerungsverein Witzhelden. (sch )

Quelle: Lokale Informationen - Ausgabe 14 - 02.04.2008