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Achtes Tauftagskonzert für Johann Wilhelm Wilms
PRINSENGRACHT 671 (212)
Eine musikalische Hausinspektion
Zumindest darin Beethoven nicht unähnlich, hat Wilms in Amsterdam seine Wohnungen bemerkenswert häufig gewechselt. Allein in der Prinsengracht sind fünf verschiedene ehemalige Wilms-Adressen bekannt. Nach dem frühen Tod seiner Frau (1821) bezog er ein Domizil in der Prinsengracht 212, heute 671, wo er Jahre der Krisenbewältigung und der Neuorientierung erlebte.
2006 machten wir die ganz unwahrscheinliche Feststellung, dass die gegenwärtigen Besitzer dieser Immobilie, ein musikinteressiertes Ehepaar, die von ihnen nicht genutzten Zimmer seit Jahren als Wohn- und Arbeitsräume ausschließlich jungen, in der Mehrzahl ausländischen Musikern zur Verfügung stellen. Sechzig Instrumentalisten, Sänger und Komponisten aus elf Nationen sind hier seit 1990 mehr (bis zu fünf Jahren) oder weniger lang tätig gewesen – ohne dass sie oder die Hauseigentümer auch nur eine Ahnung von der musikgeschichtlichen Bedeutung ihrer Behausung gehabt hätten!

Das Achte Tauftagskonzert befasst sich mit dieser Situation. Es kombiniert Musik von Wilms, die während der 1820er Jahre in diesem Haus entstanden sein dürfte, mit solchen Stücken, die der bis vor kurzem dort lebende Lionel Ziblat (*1972) zwischen 2004 und 2008 in eben jenem Haus komponiert hat.

Für authentische Interpretationen seiner Werke sorgen Musiker aus Ziblats Amsterdamer Umfeld. Den Kompositionen von Wilms widmen sich Instrumentalisten aus Polen und Dänemark, die schon während ihrer gemeinsamen Zeit als Hausgenossen in der Prinsengracht zusammen spielten, jedoch, inzwischen als Mitglieder des Silesian Quartet und/oder des Trio Aristos längst arriviert, erst in jüngster Zeit das Schaffen ihres Amsterdamer Ur-Vormieters kennen und schätzen lernen. Mit ihnen verbündet sich ein exzellenter, wilmserfahrener Kammermusiker aus Wilms’ rheinisch-bergischer Heimat: der Pianist Thomas Palm.

Texte von Wilms geben Aufschluss über einen sehr speziellen Abschnitt seines Lebens und erlauben gewiss den ein oder anderen Rückschluss auf das generell Problematische seiner Situation als Komponist. Kein absichtlicher Bürgerschreck, hat Wilms es doch durch einen gewissen Pluralismus in seinem Werk den Kritikern immer recht einfach gemacht Angriffsflächen bei ihm aufzutun. Auch Lionel Ziblat, seit Jugendjahren „fasziniert vom uneingeschränkten Vertrauen der Leute, Musik getrennten Kategorien unterzuordnen“, ist einer jener Kreativen, deren durch unbekümmerte Vielseitigkeit geprägtes Tun immer von Misstrauen und spöttischer Nachsicht begleitet sein wird. Wir freuen uns, im Rahmen dieses Tauftagskonzerts Ziblat wenigstens mit drei Stücken als Kammerkomponisten vorstellen zu können und hoffen auf eine spätere Gelegenheit, ihn auch als Autor von Orchester- und Chormusik, als Songwriter, Gitarrist und Sänger wie auch mit seiner eigenen Band Modest Midget kennen zu lernen.

Keine der in diesem Konzert zu hörenden Wilms- und Ziblat-Kompositionen ist bisher auf Tonträgern erhältlich, bei allen Stücken von Ziblat und mehreren von Wilms handelt es sich um deutsche Erstaufführungen.
 
  Termin:

Ort:

Preise:

Karten:


Künstler:







Musik:












































Mitwirkende:











gefördert durch:
Sonntag, 21. März 2009, 17 Uhr

Evangelische Kirche Witzhelden

15 €, ermäßigt 7 €. Kinder und Musikschüler frei

unter 02 21 / 9 42 04 30 und an der Abendkasse


>> Trio Aristos
>> Laura Hölzenspies
>> Jan Krzeszowiec
>> Eduardo Olloqui
>> Thomas Palm
>> Lionel Ziblat



Johann Sebastian Bach (1685-1750)

Contrapunctus 8, a 3 für Streichtrio aus: Die Kunst der Fuge


Charles de Bériot (1802-1870)


Cinquième air varié pour violon avec piano op. 7


Modest Mussorgskij (1839-1889)


Près de la Côte d’Azur en Crimée für Klavier


Johann Wilhelm Wilms (1772-1847)


Rondo favori N° 1 für Klavier,
mit Begleitung durch ein Streichtrio versehen durch H.C. Steup (1775?-1827)

Quartett N° 3 C-Dur für Flöte und Streichtrio, nach der Sonate für Klavier
mit obligater Flöte op. 15, 3 bearbeitet von Hans Stähli (2006)

Wehmütige Erinnerung (Eichendorff) für Singstimme und Klavier,
in einer Fassung für Violoncello und Klavier

Het Kerkhof (B.T. Lublink Weddik) für Singstimme und Klavier,
in einer Fassung für Viola und Klavier

Cinquième air varié de C. de Bériot op. 7 arrangé pour le piano


Lionel Ziblat (*1972)

Themes on a Boring Variation für Klavier und Oboe

A Hug From My Officer für Klavier und Oboe

The Ska Is The Limit für Klavier und Oboe

Matilda You Lift Me für Oboe

When  My Prince Comes für Klavier


Szymon Krzeszowiec, Violine, Trio Aristos, (PL)
Alexander Øllgaard, Viola, Trio Aristos, (DK)
Jakob Kullberg, Violoncello, Trio Aristos, (DK)
Konstantin Beck, Tontechnik (D)
Laura Astrid Hölzenspies, Klavier (NL)
Ernst A. Klusen, Moderation (D)
Jan Krzeszowiec, Flöte (PL)
Jan Willem ter Meulen, Lesung (NL)
Eduardo Olloqui, Oboe (E, NL)
Thomas Palm, Klavier (D)







>> Programmheft (2,1 MB)
  >> Routenplaner

 

Rezensionen
„Hauskonzert der anderen Art“

Zu Ehren des Komponisten holten Musiker den Geist der „Prinsengracht“ aus Amsterdam hierher.


Die Internationale Johann Wilhelm Wilms Gesellschaft wurde in der Evangelischen Kirche ihrem Titel gerecht. Vorsitzender Ernst A. Klusen hatte zum „Hauskonzert der etwas anderen Art“ eingeladen - und rund 40 Bus-Gäste waren aus Amsterdam angereist. Ihr Ziel: zu erleben, wie vier hochkarätige Musiker den Geist der „Prinsengracht“ aus den Niederlanden ins Höhendorf zurückbringen. Denn das achte Tauftagskonzert für Witzheldens Komponistensohn Wilms führte jene in der Musik zusammen, die einmal im Haus Nr. 212, später 671, gelebt hatten. „Musik sollte für sich selbst sprechen“

Nach Wilms war das bis vor zwei Jahren der 1972 und damit genau 200 Jahre nach ihm geborene Komponist Lionel Ziblat. Seine spritzigen Stücke brachten der Oboespieler Eduardo Olloqui und Pianistin Laura Hölzenspies zu Gehör: mal augenzwinkernd, mal orchestral, aber immer pointiert und mit klaren Klangfarben. Besonders das starke „The Ska Is The Limit“, von Ziblat speziell für das Konzert arrangiert, gefiel. „Musik sollte für sich selbst sprechen“, befand der Komponist auf Englisch - und fast schien es, als durchwehte seine modernen Stücke der Charme und die Grandezza, mit der Wilms etwa sein Rondo favorit op. 19 geschrieben hatte. Dessen Aufführung in der Bearbeitung von Wilms‘ Mitarbeiter H. C. Steup gelang Wilms-Nachfolgern: Dem Pianisten Thomas Palm und dem Violinisten Szymon Krzeszowiec mit seinem Trio Aristos. Dazu gehören noch der Cellist Jakob Kullberg und der Violaspieler Alexander Øllgaard.

Mit Krzeszowiecs Bruder Jan an der Flöte hatte das Trio schon zuvor bei der Aufführung der raffinierten Bearbeitung von Wilms‘ Sonate op. 15,3 durch Hans Stähli für einen konzertanten Höhepunkt gesorgt. Das Exquisite, das den Stücken von Wilms innewohnt, vermochte zudem Thomas Palm am Klavier hervorzuholen - nachdem die Originalversion des von Wilms bearbeiteten „Cinquième Air Varié“ von Charles de Bériot zu Recht für große Begeisterung gesorgt hatte. Ehrensache, dass in diesem fulminanten zweistündigen Konzert auch Raum für die Geburtstagskinder Bach und Mussorgskij sowie die „Prinsengracht“-Mentoren Sonia und Jan Willem ter Meulen blieb. (dn)

 Quelle: Solinger Tageblatt, 23.03.2010

Für den Helden aus Witzhelden

Musiker ehrten den „Bergischen Beethoven“ Johann Wilhelm Wilms mit einem Konzert. Alljährlich erinnern sie in der Kirche in Witzhelden an den Tauftag des berühmten Sohnes des Dorfes

Die Prinsengracht lag am Sonntag auf dem Hügel. Nicht im Gebäude an der Amsterdamer Wasserstraße, sondern im Kirchenschiff der Bauernbarockkirche in Witzhelden mit ihrem romanischen Trutzturm erklang Musik. Und ob es musikverliebte Hausgeister gibt? Offenbar, denn dort, eben an der Prinsengracht 212, wo vor 200 Jahren der bedeutende Sohn des Dorfs Witzhelden - Johann Wilhelm Wilms - wohnte, lebt heute ein musikbegeistertes Ehepaar, das jungen Musikern Unterkunft bietet. Bis vor wenigen Jahren ahnten Sonja und Jan Willem ter Meulen nicht, wer dort in Vorzeiten zu Hause war. Inzwischen sind sie mit der Internationalen Johann-Wilhelm-Wilms-Gesellschaft eng verbunden und kamen zum Tauftagskonzert als Ehrengäste aus dem Nachbarland, das Wilms von 1791 bis zum Tod 1847 zweite Heimat war. Zum achten Mal erklang ein Konzert in Erinnerung an Wilms' Taufe (30. März) und Werk in der Kirche.

Frühlingsfrisch und damit passend zur Jahreszeit ertönten die Kompositionen:
Originale, Bearbeitungen und Neuerfindungen, alle vom Geist Wilms getragen: quirlig, vergnüglich und originell, wie etwa die spitzbübischen Stückchen für Oboe (Eduardo Olloqui) und Klavier (Laura Hölzenspies) von Lional Ziblat. Den jungen argentinischen Komponisten hatten die ter Meulens an der Prinsengracht aufgenommen. Auch die Musikerbrüder Szymon und Jan Kreszowiec - Geiger und Flötist - haben sich in diesem Musikhaus wohl gefühlt. Die Verbundenheit zu Wilms sprach aus der Innigkeit, mit der sie dessen Kompositionen musizierten, unterstützt von Alexander Ollgaard (Viola) und Jakob Kullberg (Cello). Thomas Palm, der heimische Pianist, war der temperamentvolle Sachwalter von Wilms Klavierparts. In den Liedbearbeitungen blitzten Momente von Schuberts Schlichtheit und Mahlers Melancholie auf. Und weil am 21. März Bach und Modest Mussorgskij Geburtstag haben, gehörte auch je ein Stück von ihnen zum kurzweiligen Programm.
(Ingeborg Schwenke-Runkel)

Quelle: Kölner Stadt-Anzeiger, 22.03.2010