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Neuntes Tauftagskonzert für Johann Wilhelm Wilms
Johann Wilhelm Wilms und die Klarinette
- ach, wenn wir nur auch clarinetti hätten!

„ – ach, wenn wir nur auch clarinetti hätten!“
dieser Stoßseufzer ist uns nicht von Wilms überliefert, sondern von Mozart (Brief vom 3. Dezember 1778 aus Mannheim an den Vater in Salzburg); doch Wilms hat ebenfalls – und notabene noch fünfzehn Jahre später – durchaus Veranlassung gehabt, sich in gleichem Sinne zu äußern.
Hatte Mozart seit der Komposition seines >Idomeneo< (1780) auf Klarinetten im Opern- und ab 1785 auch im Konzertorchester nicht mehr verzichten müssen und konnte auch Joseph Haydn sich ihrer in seinen letzten Londoner Sinfonien (1793-95) nach Belieben bedienen, so bot sich für Wilms bis zur Jahrhundertwende keine Gelegenheit, vom „herrlichen effect“ des Klarinettenklangs in seinen Partituren Gebrauch zu machen: all seine frühen Orchesterwerke schrieb er klarinettenlos –
beileibe nicht aus freien Stücken, ist man geneigt zu bekräftigen, kennt man sich in Wilms’ Es-Dur Sinfonie, die man rechtens als seine erste ansehen darf, nur richtig aus. Deren letzter Satz nämlich, dem Finale der Mozart-Sinfonie Nr. 39 KV 543, ebenfalls in Es-Dur, ganz eindeutig nachmodelliert, belegt, das  Wilms mit diesem Spätwerk seines Idols bestens vertraut gewesen sein muss und folglich auch mit dessen ungewöhnlicher Orchesterbesetzung: Mozart hat hier zum ersten und einzigen Mal in einer Sinfonie auf die bis dahin in der klassischen Sinfonik unentbehrlichen Oboen verzichtet und ganz auf Klarinetten gesetzt.
In Wilms’ klarinettenloser Partitur stößt man nun immer wieder auf Stellen, in denen die Oboen neben ihren eigenen Aufgaben auch die der abwesenden Klarinetten wahrzunehmen scheinen, Schauspielern eines kleineren Ensembles vergleichbar, die durch schnellen Rollenwechsel oder gelegentliche Übernahme fremder Texte in die eigene Rolle das Fehlen weiterer Darsteller kaschieren.
Ab der vierten Sinfonie (C-Dur, gedruckt erst 1805) steht es auch Wilms endlich frei, Klarinetten in seinen Orchesterwerken einzusetzen.

Hier beginnt nun unsere kleine Exkursion durch Wilms’ Sinfonien und Solokonzerte (darunter nicht zuletzt sein Klarinettenkonzert!) hin zu jenen Stellen, an denen die innige Beziehung des Komponisten zur Klarinette, die wachsende Kenntnis ihrer Möglichkeiten und die zunehmende Bedeutung, die das „romantische“ Instrument für Wilms’ musikalische Sprache gewinnt, in live gespielten Klangbeispielen erlebbar werden.
Diesem ersten akustischen tour d’horizon für Musikfreunde, Wilmsaffinados und Klarinettisten aller Art geht die Uraufführung einer Wilms-Sonate voraus, bei der nur noch nicht feststeht, ob es sich um die Weltpremiere einer Bearbeitung oder eines Rekonstruktionsversuchs handelt.
Denn manches deutet daraufhin, dass Wilms seine Violinsonate B-Dur op. 29 ursprünglich als Sonate für Klarinette komponiert und später erst für die Geige umgeschrieben hat.
Werden Sie Zeuge dieser interessanten Erstaufführung und erleben Sie den möglichen Karrierestart eines neuen Repertoirestücks im eher dünn besiedelten Bereich klassisch-frühromantischer Klarinettensonaten. Shirley Brill und Jonathan Aner werden sich als Bearbeiter und Interpreten zum Wie und Warum ihrer Version äußern.

Wir beginnen unsere musikalische Veranstaltung mit der Fantasie für Klarinette solo (1993) von Jörg Widmann recht programmatisch, ist doch diese „ganz persönliche Liebeserklärung an „mein“  Instrument“ (Widmann, 1994) des damals zwanzigjährigen Komponisten und Klarinettisten auch als ein spielerisch-raffinierter Katalog klanglicher Möglichkeiten des Instruments zu erleben – 
inspiriert von den Zeiten eines Carl Maria von Weber (und Johann Wilhelm Wilms) über alpenländische Folklore, Strawinskij und Jazz bis ins musikalische Heute.
Kein unbedarft-fröhlicher Kehraus prägt den Schluss des Abends, sondern ein leidenschaftlicher Abschied, ein kammermusikalisches Vermächtnis, ein melancholischer Höhepunkt der Gattung: Johannes Brahms’ spätes opus 120/1, seine Klarinettensonate in f-Moll.
(Mag sein, dass Shirley Brill und Jonathan Aner zuguterallerletzt doch noch etwas Spritziges hervorzaubern. Aber das ist dann ihre &  Ihre Sache.)

Ein Extratipp: ab 19.00 Uhr treffen Künstler, Veranstalter und Konzertbesucher sich zum Aprèsconcert im Bauerngasthof Rusticus. Salve!

 
 

Termin:

Ort:

Preise:

Karten:


Künstler:


Musik:















gefördert durch:

Sonntag, 03. April 2011, 17 Uhr

Evangelische Kirche Witzhelden

15 €, ermäßigt 7 €. Kinder und Musikschüler frei

unter 02 21 / 9 42 04 30 und an der Abendkasse


>> Duo Brillaner


Jörg Widmann (*1973)

Fantasie (1993) für Klarinette solo


J.W. Wilms (1772-1847)

Sonate B-Dur op. 29
Version für Klarinette und Klavier
Uraufführung

Johannes Brahms (1833-1897)

Sonate f-Moll op. 120/1
für Klarinette und Klavier









>> Programmheft (0,7 MB)
  >> Routenplaner

 

Rezensionen

Wie Lieder ohne Worte

Die Melodie spielt im Werk von Johann Wilhelm Wilms die erste Geige

Ob er stets gesummt und vor sich hingeträllert hat? Müssen wir uns Johann Wilhelm Wilms, den Zeitgenossen Ludwig van Beethovens, der die bergischen Höhen verließ, um in den Niederlanden sein Glück zu machen, als gut gelaunten Menschen vorstellen? Auch wenn es auf diese Frage keine eindeutige Antwort gibt, so steht doch fest, dass Wilms ein erfindungsreicher, ein origineller Musiker war. Denn je mehr Stücke von ihm entdeckt werden und wiedererklingen, desto deutlicher drängt sich der Eindruck auf: Der in Witzhelden Geborene liebte die melodische Linie. Das Spiel der Stimmen gleicht Liedern ohne Worte im besten Sinn. Das seufzt, jubelt, sehnt sich oder trauert.
Gefühl offenbart sich unmittelbar.

Die Melodie spielte bei Wilms auch dann die erste Geige, wenn er die Solostimme einem anderen Instrument anvertraute, wie – möglicherweise – der Klarinette.
Ihr widmete die Internationale Johann Wilhelm Wilms-Gesellschaft das neunte Gedenkkonzert. Das geschah an dem Ort, wo Wilms am 30. März 1772 getauft wurde: in der Evangelischen Kirche Witzhelden. Dort, in der protestantischen Trutzburg, verwies der Vorsitzende der Gesellschaft, Ernst A. Klusen, auf den „Klarinetten-Versteher“ Wilms, der im Laufe seiner Komponistenjahre die Eigenart und Schönheit des Holzblasinstruments immer mehr kennen gelernt und zur Geltung gebracht habe.

Wie innig, wie beseelt, aber auch wie keck und neckisch die Klarinette „singen“ kann, das zeigte Shirley Brill. Gemeinsam mit ihrem Klavierpartner Jonathan Aner, der auch Lebenspartner ist, stellte sie die Sonate in B-Dur vor. Ein interessanter Fall,
eine Bearbeitung der Violinsonate, die Wilms selbst vielleicht für Klarinette geschrieben und dann zur Violinsonate umgemodelt hat, denn als solche wurde sie 1813 in Bonn veröffentlicht.

Wie auch immer: Ein Stück erklang, das melodientrunken auf Schubert’sches Liedschaffen verwies. Zum klanglichen Zauberstab machte Shirley Brill die Klarinette in der Fantasie von Jörg Widmann. Ein sieben-Minuten-Streich von Anspielungen und Querverweisen in alle Bereiche der Musik von Jazz bis Folklore. Atemberaubend. Ebenso atemnehmend wie die späte, altersmilde und heitere Sonate für Klarinette und Klavier von Johannes Brahms, die das „Duo Brillaner“ an den Programmschluss stellte.

„Ach, wenn wir nur auch clarinetti hätten.“  Hätten Wilms und Mozart, dem dieser Ausruf zugesprochen wird, solche Klarinettisten, vielmehr solche Klarinettistinnen wie Shirley Brill, gekannt, sie hätten für andere Instrumente keine Note mehr komponiert.
(Ingeborg Schwenke-Runkel)

Quelle: Kölner Stadt-Anzeiger, 05.04.2011

Hommage an die Klarinette

Johann-Wilhelm-Wilms-Konzert geht wieder neue Wege.

„Das wichtigste in der Musik steht nicht in den Noten“, hat bereits Gustav Mahler erkannt.
Genauso verhielt es sich mit dem Taufkonzert für den in Witzhelden geborenen Komponisten
Johann Wilhelm Wilms.
Bei der Veranstaltung drehte sich alles um ein als Klarinettensonate enttarntes Werk für Geige.

Und so erklang am Sonntagabend in der evangelischen Kirche Witzhelden die B-Dur Sonate mit dem Duo Brillaner - mit der Klarinettistin Shirley Brill und dem Pianisten Jonathan Aner.
Den Auftakt machte ein experimentelles Klarinettensolo des zeitgenössischen Komponisten Jörg Widmann. Die Uraufführung der Sonate B-Dur fesselte die Zuhörer.
Das Zusammenspiel zwischen den beiden Instrumenten war brillant - traumwandlerisch sicher und aufeinander eingespielt war das Duo.

Der Vorsitzende der Internationalen Johann Wilhelm Wilms Gesellschaft, Ernst A. Klusen, und Jonathan Auer nahmen die Zuhörer mit auf einen Exkurs über „Wilms und die Klarinette.“
Auer begeisterte mit seiner herzerfrischenden Art die Zuhörer. „Jonathan Auers Ausführungen haben mich in ihren Bann gezogen“, sagte Claudia Schubert. „Wobei die Ausgewogenheit zwischen Wort und Musik doch mehr auf der Musik liegen sollte.“ Bei der Sonate von Johannes Brahms bewegte sich das Duo im Gleichklang und verständigte sich mit genau verteilten Rollen, spürbarer Nähe und Vertrautheit.

Nach einer wunderschönen Zugabe wurden die Künstler mit viel Applaus verabschiedet.
Als sehr zufriedene Besucherin verließ Margot Walther die Kirche:
„Das war ein sehr schöner Abend und die Zugabe ,Pour la Clarinette' einfach genial.“
(Mr)

Quelle: Solinger Tageblatt, 06.04.2011

Hochkarätiges Konzert

Brillante Musiker würdigten das Werk des Witzheldener Komponisten J.W.Wilms

Der Internationalen Johann Wilhelm Wilms Gesellschaft mit ihrem Vorsitzenden
Ernst Klusen gelang es auch beim 9. Tauftagskonzert des Witzheldener Komponisten mit brillanten Musikern für ein hochkarätiges Konzert zu sorgen.
Das „Duo Brillaner“ bestach mit Shirley Brill an der Klarinette und ihrem Mann Jonathan Aner am Klavier.
Es gilt als „faszinierendes Beispiel für die klangliche Verbundenheit zweier grandioser Kammermusiker“. Beide Musiker haben zahlreiche nationale und internationale Musikwettbewerbe gewonnen und genießen weltweites Ansehen. Für die Witzheldener war es ein besonderes Erlebnis, diese außergewöhnlichen Musiker genießen zu dürfen, die Werke „ihres“ Komponisten aufleben ließen.
Im kommenden Jahr feiert die Gesellschaft in Zusammenarbeit mit dem VVV und der Stadt das zehnte Tauftagskonzert und den 240. Geburtstag von Wilms und gedenkt seinem 165. Todestag. (sch)

Quelle: Leverkusener Wochenende, 16.04.2011